Meine Lebensgeschichte
Ich bin am 23.10.1953 in Bezau, einer ländlichen Gemeinde mit knapp 2.000 Einwohnern im Bregenzerwald, als viertes von fünf Kindern geboren. Mein Vater war Tierarzt und meine Mutter Hausfrau, politisch interessiert und engagiert und „Mädchen für alles“ in der Tierarztpraxis meines Vaters.
Wenn ich an meine Kindheit zurück denke, komme ich regelrecht ins Schwärmen. Es war ohne Übertreibung ein Kinderparadies – wir wohnten am Bach in einem Bauernhof, nahe am Wald gelegen und in fast allen Nachbarhäusern gab es Kinder, in einem sogar zehn! So hatten meine drei Brüder, meine Schwester und ich nie Langeweile, denn es gab immer Spielkameraden und die Lust auf Abenteuer war stets ungebrochen. So kochten wir im nahegelegenen Wald und spielten Karten im Stall bei Kerzenschein (BRAND-gefährlich, aber es ist nur einmal Stroh in Brand geraten, das wir sofort löschen konnten!). Etwas Besonderes war das Tierarztspielen – hier mussten die kleineren Kinder die kranken Kühe spielen, die dann mit einem kräftigen Atemzug aus der geheimnisvollen Korbflasche mit Äther (das Betäubungsmittel meines Vaters) „lahm gelegt“ wurden. Der Kindergarten wurde häufig geschwänzt, weil die Umgebung um vieles verlockender war. Wir hatten Hühner, Kaninchen und eine Katze.
Mama war eine sehr politische und auch sozial engagierte Frau, war Mitbegründerin der ÖVP Frauenbewegung in Bezau und deren Obfrau bis zu ihrem frühen Tod im Jahre 1984. Sie war auch Bezirksobfrau und stellvertretende Landesobfrau in der Frauenbewegung und hat sich energisch dafür eingesetzt, dass auch Frauen politische Ämter bekommen, was zur damaligen Zeit im Bregenzerwald nicht nur auf Gegenliebe gestoßen war.
Mein Vater hatte immer viel zu tun und wir durften ihn öfters zu den Bauern mit dem kranken Vieh begleiten. Besonders schön war es im Sommer, wenn das Vieh auf den Alpen war und immer eine gehörige Bergwanderung mit einem Stallbesuch verbunden war. Manchmal, wenn die Zeit knapp war oder ein Gewitter nahte, durften wir auch mit einer Materialseilbahn fahren, wo wir – meine Schwester und ich – aber immer erleichtert bei der Ankunft am Ziel waren, weil wir fürchterlich Angst hatten. Es wurde uns auch von unserem Vater strengstens verboten, von den abenteuerlichen Seilbahnfahrten unserer Mutter zu erzählen.
Ich habe die Pflichtschule (Volks- und Hauptschule) in Bezau besucht. Damals waren in einer Klasse noch rund 40 bis 50 Kinder, Ohrfeigen gehörten zum Alltag – da war auch unsere Ordensschwester keine Ausnahme. Im Jahr 1972 habe ich am BORG in Egg mit Auszeichnung maturiert.
In der PÄDAK in Feldkirch begann ich anschließend die Hauptschullehrer-Ausbildung, die ich mit der Lehramtsprüfung in den Fächern Mathematik und Bildnerische Erziehung im Jahr 1975 abgeschlossen habe.
Die Hauptschule Bezau war mein erster Dienstort, wo ich zu dieser Zeit einen der ersten Volleyball-Clubs im Ländle mitbegründet habe. Ich baute eine Volleyballmannschaft in der Schule auf und war als Trainerin mit meiner Schülerliga–Mannschaft einmal Landesmeisterin und einmal Dritte in der Landesmeisterschaft. Ich war dann noch zwei Jahre an der HS Egg tätig, heiratete im Jahr 1979 meinen Mann Jos Franz, der auch HS-Lehrer war. Mittlerweile ist er HS-Direktor in Bezau.
Nun kommen 13 Jahre beruflicher Auszeit – ich habe familienbedingt gekündigt. In dieser Zeit kamen meine Kinder zur Welt – Andreas 1980, Magdalena 1982 und Tobias 1987. Nebenbei habe ich mich in verschiedenen Vereinen und auch politisch engagiert. In diese Zeit fällt auch der Tod meiner Mutter, wodurch ich mit meiner Familie zu meinem Vater gezogen bin. Dadurch hatten meine Kinder die Chance in einer Mehr-Generationen-Familie aufzuwachsen. Es war eine sehr wertvolle und erlebnisreiche Erfahrung für unsere ganze Familie, die ich nicht missen möchte.
Nun begann mein politisches Engagement:
1986 wurde ich als Nachfolgerin meiner Mutter zur Obfrau der ÖVP Frauenbewegung in Bezau gewählt. Zwei Jahre später habe ich ein Eltern-Kind-Zentrum in Bezau gegründet. Im Jahr 1990 wurde ich als einzige Frau in die Gemeindevertretung gewählt, der ich heute noch angehöre. Fünf Jahre später wurde ich Bereichssprecherin für Frauen, Familie und Soziales im Vorstand der REGIO Bregenzerwald, derzeit bin ich Bereichssprecherin für Bildung.
Mein Wunsch war es immer schon, nach Möglichkeit wieder in meinen geliebten Lehrberuf zurückzukehren, wenn die Kinder groß sind. So bin ich 1993 mit einer halben Lehrverpflichtung in der HS Bezau mit Begeisterung wieder als Lehrerin tätig geworden.
Im Februar 1998 wurde ich zur ersten Bürgermeisterin des Landes Vorarlberg gewählt. Dazu gibt es eine interessante Vorgeschichte: Es gab einen heftigen Streit zwischen dem Bürgermeister, also meinem Vorgänger, und dem Gemeindesekretär. Dieser Streit war ein medialer Dauerbrenner, eskalierte und endete mit einer Entlassung des Sekretärs, der dann zum Arbeitsgericht ging. Das führte dazu, dass mein Vorgänger sein Amt zurücklegte und es wollte keiner der damaligen Gemeinderäte das Amt des Bürgermeisters antreten. So kam die Bitte an mich, als einzige Frau im Gemeinderat, ob ich nicht Bürgermeisterin werden wolle. Nach einer intensiven Nachdenkpause, habe ich dann zugesagt und habe diese Entscheidung nie bereut, obwohl es am Anfang sehr schwierig war. Zunächst galt es, die Wogen zu glätten, die der Streit in der Gemeinde hervorgerufen hatte und dann das Vertrauen derer zu gewinnen, die sich eine Frau in dieser Position absolut nicht vorstellen konnten. Mit dieser Entscheidung habe ich meine Lehrverpflichtung an der Hauptschule beendet. Zwei Jahre später wurde ich dann in der Bürgermeisterdirektwahl mit 75% der Stimmen in meinem Amt bestätigt.
Nachdem ich im Herbst 2002 in den Nationalrat gewählt wurde – überraschend mit 9.700 Vorzugsstimmen! – habe ich das Bürgermeisteramt im August 2003 zurückgelegt. Es war keine leichte Entscheidung, denn ich war sehr gerne Bürgermeisterin, aber beide Ämter zufriedenstellend zu managen, war für mich über längere Zeit nicht vorstellbar.
Mittlerweile wurde ich auch zur Bezirksobfrau im Bregenzerwald und zur stellvertretenden Landesobfrau der ÖVP- Frauenbewegung gewählt. Darüber hinaus bin ich Obmannstellvertreterin in der ÖAAB-Landesorganisation.
Nun bin ich sehr gern im Nationalrat, sehe diese Aufgabe als eine äußerst interessante und verantwortungsvolle Tätigkeit an, die wohl sehr anspruchsvoll und durch den langen Reiseweg nach Wien mitunter auch recht anstrengend sein kann.
Dennoch:
Politik heißt für mich, die Zukunft menschlich und sozial zu gestalten und da ist jeder Einsatz lohnend!